Oper | Rezension

TURANDOT von Puccini in Köln – Die China-Show

von am 4. April 2017

Von der vielbeachteten und -beschäftigten jungen Regisseurin Lydia Steier hatte ich bereits drei Inszenierungen gesehen, bevor ich die Reise nach Köln antrat, um nun über ihre aktuelle Arbeit mit Puccinis Turandot endlich auch zu schreiben. Von Perelà und Armide am Staatstheater Mainz war ich zugegebenermaßen recht angetan und gut unterhalten. Meine Stimmung nach der Premiere im Staatenhaus sah anders aus.

Bahnhof Peking

Für alle, die das Kölner Staatenhaus nicht kennen, sei zuerst gesagt, dass es eine herausfordernde Interimsspielstätte ist. Logischerweise gibt es keine Unterbühne und keinen Schnürboden und leider eine recht niedrige Decke – dafür aber genug Platz auf den Seiten der Bühnenfläche. Das Bühnenbild von fettFilm (Momme Hinrichs und Torge Møller), das beim Einlass bereits sichtbar ist, zeigt eine erhöhte Schienenkonstruktion vor einer Leuchtschrift, die das Wort „KINO“ darstellt. Links und rechts davon stehen Baugerüste, die eine Verbindung zum vorhandenen Saal suggerieren. Hinter dieser Aufstellung positionierte sich das Orchester mitsamt Dirigent hinter einer Gazewand.

Das schien mir erst eine recht spannende Situation zu sein, da es keine richtige Bühne zu geben schien. Nun spielte aber ein großer Teil des Anfangs zwischen diesen brusthohen Schienen – eher ein Nicht-Ort, der aber eine konkrete Geschichte mit konkreter Personenkonstellation erzählen wollte. Sehr schön war der sorgsam choreographierte Chor, der demütig und gebeugt durch das Bild wankte. Für die Solisten war es hingegen schwierig hier eine Situation darzustellen. Mehr Klarheit brachte dann die Showbühne mit Rückwand, die von links händisch auf die Schienenkonstruktion geschoben wurde, wobei auch hier die räumliche Definition immer wieder durchbrochen wurde. Das letzte Bild war am eindeutigsten und stellte ein modernes Schafott dar. Generell ist es natürlich dem Regieteam überlassen, ob es konkrete Orte und Situationen schafft oder nur assoziative Räume (oder eine leere Bühne). Nur sollte es dann nicht konsequent das eine oder das andere (oder das ganz andere) sein?

Im Vordergrund spielen die Chinesen Mord und Totschlag, im Hintergrund amüsiert man sich über das drollige Treiben, "Turandot" von Puccini an der Oper Köln, Foto: Bernd Uhlig
Im Vordergrund spielen die Chinesen Mord und Totschlag, im Hintergrund amüsiert man sich über das drollige Treiben, „Turandot“ von Puccini an der Oper Köln, Foto: Bernd Uhlig

Die Turandot-Show

Im Konzept von Lydia Steier ist die Freierprobe von Turandot nur eine Show, deren Ästhetik sich zwischen Zirkus, Rockkonzert und Kuriositätenkabinett bewegt. Eine kleine Gruppe von Skandaltouristen, die sich von den Folterungen der erfolglosen Anwärter amüsieren lässt, ist immer mal wieder als Zuschauer präsent. So gestaltet sich ein Rahmen um Puccinis morbide Handlung, die also eher als exotistische Darstellung von vermeintlichen chinesischen Gepflogenheiten zu verstehen ist. Diese spannende Perspektive wird zum Ende hin leider immer schwammiger. Im letzten Bild tritt Turandot nicht mehr als aufgeplusterte Show-Prinzessin auf, sondern plötzlich im Frack mit blonder Perücke. Das maskuline Outfit ist ihrer Figur sicherlich angemessen, fraglich bleibt, warum sie nun Marlene Dietrich spielt. Oder ist das ihre eigentliche Identität? Auch der Rahmen des Anfangs wird nicht geschlossen. Während Calaf in den letzten Takten ein Schriftstück unterschreiben soll (Ehevertrag? Arbeitsvertrag für die Turandot-Show?) vermisse ich die Touristengruppe. Warum diese offene Klammer in die 20er Jahre verlegt wurde, ist ebenfalls unklar.

Turandot aka Marlene Dietrich (Catherine Foster) raucht, Liù (Guanqun Yu) blutet, "Turandot" von Puccini an der Oper Köln, Foto: Bernd Uhlig
Turandot aka Marlene Dietrich (Catherine Foster) raucht, Liù (Guanqun Yu) blutet, „Turandot“ von Puccini an der Oper Köln, Foto: Bernd Uhlig

Zurück blieb für mich das Gefühl, dass Lydia Steier hier einen großen Kontrast herstellen wollte: Die brutale, ekelhafte, alptraumhafte, groteske Showwelt und ihr gegenüber die sanfte, zerbrechliche Welt der aufrichtigen, gefühlvollen Menschen. Das ist nicht nur eine effektvolle Idee, sondern in diesem Zusammenhang auch eine sehr sinnvolle und fruchtbare. Die Umsetzung davon ist ihr an anderen Orten besser gelungen.


Turandot. Dramma lirico in drei Akten von Giacomo Puccini (UA 1962 Mailand)

Oper Köln
Musikalische Leitung: Claude Schnitzler
Regie: Lydia Steier
Bühne und Video: fettFilm (Momme Hinrichs, Torge Møller)
Kostüme: Ursula Kudrna
Licht: Andreas Grüter
Dramaturgie: Georg Kehren

Besuchte Vorstellung: 2. April 2017 (Premiere)

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Oper | Rezension

WERTHER von Massenet in Braunschweig – Die empfindsamen vier

von am 23. Januar 2017

[Ein Vorwort:

Es gibt mehrere Dinge, die ich an der Führung dieses Blogs liebe: Zum Beispiel bin ich regelmäßig unterwegs, lerne mir bisher unbekannte Städte und Theater kennen und knüpfe neue Kontakte. Das Schönste und vielleicht Wertvollste daran ist aber, dass ich unabhängig bin. Ich bin niemandem verpflichtet – keinem Herausgeber, keinem Sponsor, keinem Werbepartner. Ich allein setze die Maßstäbe wann ich was worüber schreibe. Da könnte man den voreiligen Schluss ziehen, dass ich mich einfach ungehemmt frei Schnauze über alles und jeden auslassen kann, egal welche Namen sie tragen. Aber ganz so einfach ist es nicht. Da ich mich selbst hauptberuflich in einem Theaterbetrieb bewege, weiß ich um die Schwierigkeiten und Hürden, die überall lauern. Sowohl im eigenen künstlerischen Prozess als auch in den Umständen. Nicht immer gelingt der große Wurf. Scheitern gehört zu jedem Leben und eben auch zum Theatermachen dazu. Trotzdem oder gerade deshalb verdient jeder, der sich auf dieses Experiment einlässt und im wahrsten Sinne des Wortes etwas auf die Bühne stellt, nicht nur eine möglichst objektive Kritik, sondern auch Respekt. Und das nicht nur, wenn ich in diesem Fall diese Person für einen der liebevollsten Menschen halte, die mir bisher begegnet sind.]

Als Goethes Briefroman Die Leiden des jungen Werther vor über 200 Jahren zum ersten Mal erschien, löste er das bekannte Werther-Fieber aus. Viele junge Männer waren so berührt von der Geschichte über eine unerfüllte Liebe, dass sie es dem Protagonisten gleich taten und sich für eine unerreichbare Geliebte das Leben nahmen. Werther scheint also ein Stoff zu sein, der nicht kalt lässt, der sogar Leben verändern kann. Auch der Komponist Jules Massenet war von Goethes Roman tief berührt – statt sich umzubringen, schrieb er aber zum Glück nur eine Oper. Und die habe ich nun am letzten Wochenende in einer Inszenierung von Benjamin Prins am Staatstheater Braunschweig gesehen. Hat sich mein Leben geändert?

Transparent und stimmungslos

Das Bühnenbild von Thomas Kurt Mörschbacher zeigt, dass wir uns in dieser Interpretation des Werther-Stoffes im Hier und Heute befinden. Der Innenraum des Hauses von Charlotte erinnert an eine minimalistisch eingerichtete Maisonettewohnung. Neben einer Holztreppe, die in eine nicht näher definierte obere Etage führt, bilden nur noch ein Cembalo, eine Tür und ein Fenster den Raum, in dem der Großteil der Handlung vollzogen wird. Dieser Bereich ist lediglich durch eine transparente paravent-ähnliche Wand vom Außen getrennt. An ausgewählten Stellen kommt dazu noch die Drehscheibe der Bühne zum Einsatz, die schnelle Ortswechsel von Drinnen zu Draußen ermöglicht, indem sie einen großen Teil der Wand einfach nach hinten fährt. Nicht gerade ein Setting, in dem einem romantisch zumute wird. Sehr schade ist beispielsweise, dass die Bücher, welche die Beziehung von Lotte und Werther doch eigentlich so stark prägen, nur in kleinen Häufchen rechts und links am Portal zu finden sind. Und auch sonst strahlt dieser Raum nichts von Lottes Wärme aus und bietet zudem wenig Gelegenheiten für Gemütlichkeit. Einzig durch die weißen wehenden Fenstervorhänge weht ein Hauch von Romantik.

Sophie (Ekaterina Kudryavtseva), die sich als Sailor Moon verkleidet hat, reicht dem Dandy Werther (Eric Fennell) einen Brandy, der im Cembalo versteckt ist, "Werther" von Jules Massenet am Staatstheater Braunschweig, Foto: Volker Beinhorn
Sophie (Ekaterina Kudryavtseva), die sich als Sailor Moon verkleidet hat, reicht dem Dandy Werther (Eric Fennell) einen Brandy, der im Cembalo versteckt ist, „Werther“ von Jules Massenet am Staatstheater Braunschweig, Foto: Volker Beinhorn

Insgesamt sehr heterogen ist dazu das Kostümbild von Dritan Kosovrasti ausgefallen. Charlotte macht beispielsweise eine Entwicklung von einem verspielt-eleganten Ballkleid über ein türkisfarbenes Kostüm als brave Ehefrau bis zu einem schwarzen halbtransparenten Trauerkleid durch, während Werther mit seinem blau-glänzenden Anzug mit gelber Fliege durchgängig wie ein Dandy wirkt – wenn auch später wie ein heruntergekommener. Das passt nicht so ganz zueinander – und auch nicht zum Bühnenbild. Ganz abgesehen davon, dass diese recht willkürlich erscheinenden Kombinationen wenig atmosphärisch sind.

Nüchternheit als Reduzierung aufs Wesentliche?

Das könnte natürlich auch Konzept sein. Regisseur Benjamin Prins hat nämlich für seine Inszenierung am Staatstheater Braunschweig auf alle kleinen Nebenfiguren verzichtet, sodass tatsächlich nur noch Sophie, Charlotte, Albert und Werther übrig bleiben und so der Fokus auf dem schmerzhaften Beziehungsflecht liegt. Vielleicht ist die äußerliche Nüchternheit also eine notwendige Voraussetzung, um die Details der Personenführung klar zu erkennen. Fraglich bleibt, welchen Mehrwert eine solche Vorgehensweise für die Geschichte hat. Denn ganz offensichtlich schmälert Prins nicht die Aufrichtigkeit der Liebe von Werther oder Lotte und erzählt deren Leidensgeschichte letztlich eher konventionell. Für mich die einzig gute Idee der Ausstattung bleibt, dass Werther nicht in einem lebendigen Wald, sondern zwischen toten, vom Menschen abgesägten und aufgehäuften Baumstämmen sein Ende findet.

Damals wusste man noch, wie man richtig liebt

Während der Ouvertüre und unregelmäßig zwischen den Szenen lässt Prins Figuren aus der Rokoko-Zeit als Silhouetten sichtbar werden. Er beginnt dabei ganz stark mit einer männlichen Figur, die sich eine Pistole an die Schläfe drückt. Ein Bild, das viel länger getragen hätte, als er ihm zugetraut hat. Weitere Intermezzi zeigen zwei Männer und zwei Frauen in unterschiedlichen Situationen: tanzend, sich führend, sich beäugend oder tot. Sie sind manchmal Vorboten eines kommenden Ereignisses, manchmal kurze Zusammenfassungen des Gesehenen. Ist die Liebe zwischen Lotte und Werther ein Gefühl aus einer vergangenen Zeit? Es ist ein undefinierbar berührendes, ästhetisches und auch irritierendes Stilmittel, das Prins mit diesen Schattenrissen eröffnet – leider wird es nicht konsequent durch das ganze Stück geführt.

Letztlich bleibt nach dieser Vorstellung von Massenets Werther der Eindruck, dass viele Fäden aufgenommen, aber mittendrin wieder fallen gelassen wurden. Und das ist sehr schade bei einem Stück, das eine Sehnsucht thematisiert, die in uns allen wohnt und die das Potential hat, jedes Herz zu verändern.


Werther. Drame lyrique in vier Akten von Jules Massenet (UA 1892 Wien)

Staatstheater Braunschweig
Musikalische Leitung: Christopher Hein
Regie: Benjamin Prins
Bühne: Thomas Kurt Mörschbacher
Kostüme: Dritan Kosovrasti
Dramaturgie: Christian Steinbock

Besuchte Vorstellung: 21. Januar 2017 (Premiere)

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Oper | Rezension

DIE PERLEN DER CLEOPATRA von Oscar Straus an der Komischen Oper Berlin – Alles außer ägyptisch

von am 4. Dezember 2016
Dagmar Manzel ist Cleopatra, "Die Perlen der Cleopatra" von Oscar Straus an der Komischen Oper Berlin, Foto: © Iko Freese / drama-berlin.de

(Beitragsbild: © Iko Freese / drama-berlin.de)

Pyramiden, Kamele, Oasen. So stell‘ ich mir Ägypten vor, den Spielort der Operette Die Perlen der Cleopatra von Oscar Straus. Das Problem ist nur: Inszeniert hat an der Komischen Oper der Chef persönlich, daher kann man als Zuschauer vieles erwarten – nur ganz sicher keine historische Korrektheit. Damit geht Barrie Kosky tatsächlich ganz traditionell an die Darstellung von exotischen Stoffen heran, denn zu Zeiten der Uraufführung von Stücken dieser Art ging es ebenfalls in erster Linie darum, eine ferne und andersartige Welt so zu zeigen, wie wir – der Zuschauer, der in der westlichen Kultur zuhause ist – sie sich vorstellt. Der Unterschied ist allerdings, dass diese Fiktion früher mit dem fragwürdigen Aushängeschild versehen war, absolut authentisch zu sein. Diesen Anspruch hat Kosky offensichtlich nicht.

Icke bin Cleopatra

Seine Cleo-, Cleo-, Cleopatra (mir wird dieser Ohrwurm lange nicht aus dem Kopf gehen) ist nicht die elegante, langhälsige, unnahbare und geheimnisvolle Königin von Alexandria, die sich ein mancher vielleicht vorstellen mag. Stattdessen kommt da eine Berlinerin auf die Bühne, die einem nicht nur alle Erwartungen auf platte Exotik mit dem ersten „Icke“ wegwischt, sondern auch noch mit einer so reizenden Rotzigkeit daherkommt, dass man vor Lachen kaum Luft holen kann. Dagmar Manzel herrscht hier über das dargestellte Königreich und über die Bühne. Ihre Cleopatra ist nicht nur die emanzipierte männerfressende Frau, sondern auch wahnsinnig unberechenbar. Mit Betonung auf wahnsinnig. Denn als Sidekick hat sie Ingeborg, eine kleine süße weiße Katze, die nicht viel mehr als eine Handpuppe ist, die sich die Königin vermutlich aus einer ihrer abgelegten Satinsocken gebastelt hat. Wie es sich gehört, gibt Inge in den unpassendsten Momenten ihren Senf dazu und offenbart damit die irre schizophrene Spielfreude einer exzentrischen Königin.

Dieerle von Cleopatra

Und spielen tut dieses Mordsweib allemal sehr gerne. Mit Betonung auf Mord. Sie hat zwar alles, kann aber von Männern nicht genug bekommen („Mir fehlt nichts, als ein kleiner ägyptischer Flirt“) und droht den abgelegten Liebhabern gerne mal damit, sie den Nilkrokodilen zum Fraß vorzuwerfen. (Wenn doch nur alle Beziehungsprobleme auf so bestechend simple Art zu lösen wären!) Wenn aber der nächste passende Kandidat kommt, wird dieser zunächst mit Charme, Gesang und einer in Rotwein aufgelösten Perle zum Gehorsam verführt. Zum Opfer dieser Taktik werden hier der römische Soldat Victorian Silvius („Du bist stark und wohl gebaut“), der persische Prinz Beladonis („Meine kleine Liebesflöte“) und zum Schluss auch Marcus Antonius höchstpersönlich („Ach Anton steck‘ den Degen ein“). Zweideutigkeitsalarm! Und dabei sind dies nur die originalen Gesangsnummern von Oscar Straus. Was dann noch flott dazwischen geplaudert wird, steht diesen feschen Texten in kluger Anzüglichkeit in nichts nach.

So mag Cleopatra (Dagmar Manzel) ihre Männer (hier Dominik Köninger als Silvius) am liebsten: Willig und perlenbehangen, "Die Perlen der Cleopatra" von Oscar Straus an der Komischen Oper Berlin, Foto:© Iko Freese / drama-berlin.de
So mag Cleopatra (Dagmar Manzel) ihre Männer (hier Dominik Köninger als Silvius) am liebsten: Willig und perlenbehangen, „Die Perlen der Cleopatra“ von Oscar Straus an der Komischen Oper Berlin, Foto: © Iko Freese / drama-berlin.de

Es glitzert. Es ist sinnlos. Ich will es!

Um mindestens ein klein wenig Lokalkolorit zu vermitteln, hat sich Kostümbildnerin Victoria Behr ganz schön ins Zeug gelegt. Ins Glitzerzeug vorzugsweise. Denn diese Ägypter und Römer sind sowas von stilsicher überzeichnet, dass man bei dem Tempo der Darsteller, dem bunten Gefunkel und dem rosa Konfetti, mit dem man beworfen wird, manchmal die Augen zukneifen muss, um keinen epileptischen Anfall zu erleiden.

Wo soll man da als erstes hingucken? Auf das neue Kostüm von Cleopatra (Dagmar Manzel) oder den ägyptischen Urwald (Chorsolisten und Tanzensemble der Komischen Oper Berlin)? "Die Perlen der Cleopatra" von Oscar Straus an der Komischen Oper Berlin, Foto:© Iko Freese / drama-berlin.de
Wo soll man da als erstes hingucken? Auf das neue Kostüm von Cleopatra (Dagmar Manzel) oder den ägyptischen Urwald (Chorsolisten und Tanzensemble der Komischen Oper Berlin)? „Die Perlen der Cleopatra“ von Oscar Straus an der Komischen Oper Berlin, Foto:© Iko Freese / drama-berlin.de

In Kombination mit dem wiederum stilvoll schlichten Bühnenbild von Rufus Didwiszus in schwarz-weiß ist dieser Abend aber genau das, was ich persönlich mir von einer Operette à la Barrie Kosky vorgestellt habe: Eine rasante, zeitgemäße Revue. Zu dieser Rasanz trägt allen voran der operettenerfahrene musikalische Leiter Adam Benzwi bei. Mit seinem humorvollen und schlanken Arrangement führt und begleitet er die Darsteller mit einer Selbstverständlichkeit, hinter der viel viel Arbeit und ein sensibles Gespür steckt. Da stimmt jeder Anschluss, jeder Tempowechsel, jeder Glockenschlag, der die wiederholte eitle Geste des schönen Silvius begleitet. Und wer das musikalische Ägypten bei der ganzen revuehaften Operettenseligkeit doch vermisst, darf sich über Zitate aus dem wohl bekanntesten Musiktheaterwerk über das alte Ägypten freuen: Verdis Aida. Mit Drumset arrangiert, versteht sich.

Revue to go

Das alles, gewürzt mit einem sensationellen Tanzensemble, das von Otto Pichler wunderbar karikiert, humorvoll und kurzweilig choreographiert wurde, kann nur eins bedeuten: Wer Operette in aktuell und grandios erleben möchte, sollte sich Die Perlen der Cleopatra an der Komischen Oper Berlin nicht entgehen lassen. Wer dafür keine Karten mehr bekommt, darf sich nicht grämen, sondern muss lediglich online gehen. Dort kann man sich auf www.theoperaplatform.eu die gesamte Inszenierung kostenlos noch bis zum 2. Juni 2017 anschauen.


Die Perlen der Cleopatra. Operette in zwei Akten von Oscar Straus (UA 1923 Wien)

Komische Oper Berlin
Musikalische Leitung: Adam Benzwi
Regie: Barrie Kosky
Choreographie: Otto Pichler
Bühnenbild: Rufus Didwiszus
Kostüme: Victoria Behr
Dramaturgie: Simon Berger

Besuchte Vorstellung: 3. Dezember 2016 (Premiere)

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