Wie geht Regieassistenz? Teil 2: Mit Stress umgehen

Regieassistenz ist ein verdammt stressiger Job. Vielleicht nicht immer und nicht in jeder Produktion, aber ihr könnt damit rechnen, dass euch früher oder später der Arsch auf Grundeis geht. Das gehört dazu und phasenweise kann Stress auch beflügelnd wirken – wenn er aber zum Dauerzustand wird, kann er euch körperlich und seelisch auffressen. Ich habe erst spät kapiert, wie wichtig es ist, den eigenen Stress nicht nur stoisch zu ertragen, sondern auch aktiv vorzubeugen und gegenzusteuern. Damit es euch nicht genauso ergeht, habe ich euch ein paar meiner hart errungenen Einsichten aufgeschrieben.

Auch ein Assistent hat Pause

Nehmt euch Pausen. Und wenn ich „nehmen“ sage, dann meine ich das auch so. Für manche Regisseure (hier sind mit diesem Begriff immer alle Geschlechter gemeint) ist der perfekte Assistent jemand, der nicht essen, trinken, schlafen oder aufs Klo gehen muss. Lasst euch bloß nicht auf Grundsatzdiskussionen ein, die ungefähr so beginnen: „Wenn du wirklich hinter meiner künstlerischen Vision stehen würdest, dann hättest du überhaupt nicht das Bedürfnis Pause zu machen!“ Tja, mit Kunstanspruch wird eben so mancher Schwachsinn gerechtfertigt.

Ganz konkrete Empfehlungen von mir: Wenn ihr in der Vormittagsprobe nur mit der Erstellung des Tagesplans beschäftigt seid (weil der Regisseur sich für die morgige Bühnenprobe mit Chor, Extrachor und Statisterie noch überhaupt keine Gedanken gemacht hat, das kam aber auch einfach zu plötzlich!), geht nach Möglichkeit selbst ins KBB und gebt den Plan nicht telefonisch durch. Merke: Der beste Weg vom KBB zurück zur Probebühne geht immer über den Hof und/oder die Kantine.
Verbringt am besten nicht die lange Pause oder sonst irgendwelche freien Zeiten mit dem aktuellen Regisseur. Manche Kollegen scheinen das besser trennen zu können als ich – aber letztendlich geht es doch immer wieder um die Produktion und oft genug fängt man nach einem halben Bier an, Notizen zu machen, weil ihm plötzlich so viele wichtige und tolle Ideen einfallen.

Gesund ernähren

Auch das klingt banal, aber während einer Produktion ist es oft eine organisatorische Herausforderung, sich gesund zu ernähren. Dazu gehört zuallererst, viel Wasser zu trinken (mache ich auch zu wenig, ich weiß!). Generell solltet ihr euren Verdauungstrakt einfach nicht zu sehr anstrengen, ihr braucht die Energie woanders. Das heißt, ihr könnt euch an den gängigen Vorgaben orientieren: Nicht zu viel Fett, nicht zu viel Zucker, nicht zu viel Alkohol. Klar, so ein Feierabendbier nach einem richtig nervigen Probentag ist was Schönes, aber mit Pegel ist euer Schlaf nicht so tief und erholsam wie ohne. Da könnt ihr mir jetzt erzählen, was ihr wollt. Alkohol ist Gift. Kippt es euch gerne nach der Premiere rein – wenn ihr euch danach erholen könnt.

Jetzt hab ich den Stress!

Jetzt seid ihr trotz aller Pausen, gesundem Essen und schmerzhaftem Alkoholverzicht doch gestresst! Das bedeutet, dass euer Körper Stresshormone ausgeschüttet hat, die ihr so schnell wie möglich abbauen solltet. Es sei denn ihr wollt euch weiterhin schwach, nervös, gehetzt und dünnhäutig fühlen. Didn’t think so!
Wenn es ganz akut ist und ihr euch plötzlich schlecht fühlt, geht raus an die frische Luft und einmal um den Block. Ich weiß, dass gerade Klavierhauptprobe ist und ihr hinter der Bühne noch vierundachtzig Sachen klären müsst! Aber wollt ihr wirklich auf der Seitenbühne umkippen oder in den Requisitenwagen kotzen? Na also. Der Vorhang wird auch ohne euch aufgehen und die Inszenierung wird nicht zerbröseln, nur weil ihr mal zehn Minuten lang draußen wart. Alle Kollegen werden es verstehen!
Der zweite Tipp ist – ihr habt es schon befürchtet – Bewegung. Mit Sport oder einem langen Spaziergang werden die Stresshormone viel schneller abgebaut als beim Fläzen auf der Couch. Und ich denke wir alle kennen die Situation – man kommt nach einer Endprobe um 23 Uhr heim, stellt den Wecker auf 8 Uhr (weil der Regisseur vormittags doch noch eine Korrekturprobe angesetzt hat) und legt sich ins Bett, obwohl man noch völlig unter Strom steht. Lieber auf dem Bettvorleger noch ein paar Kniebeugen, Crunches, Liegestützen oder Asanas machen.
Mein absoluter Geheimtipp und eine viel angenehmere (aber zeitaufwändige) Art des Stressabbaus ist: Sauna. Genau, das ist diese heiße Hütte, wo sich viele nackte Leute treffen, um sich danach freiwillig unter eine kalte Dusche zu stellen. Dafür seid ihr doch noch viel zu jung? Dann stellt es euch mal so vor: Ihr setzt euch in einen ruhigen, angenehm duftenden Raum, in welchem Handyverbot herrscht und beschäftigt euch dort zehn Minuten lang nur mit Atmen. Die Dusche ist nach der Sauna nicht kalt sondern angenehm erfrischend. Und nachdem ihr euch in einen flauschigen Bademantel gewickelt habt, setzt ihr euch vor den Kamin und schaut ins flackernde Feuer.

Addio, Stress!


Wenn ihr jetzt sagt „Die beste Art, Stress vorzubeugen, ist gute Vorbereitung!“, dann habe ich da was für euch. In diesem Blogbeitrag habe ich ein paar Tipps und Hinweise zur Arbeit als Regieassistent zusammengetragen.

Wie geht REGIEASSISTENZ? (Teil 1: Dokumentation)

 

 

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